Geht
der Aufschwung am Sicherheitsgewerbe vorbei? Chancen haben
auch ein Verfallsdatum!
Derzeit werden in den Bundesländern
verstärkt und partiell bereits mit resignativer Hektik
Bewachungs- und Veranstaltungsschutzpersonal,
Messe- und Eventhostessen, Empfangskräfte, Einzelhandelsdetektive,
ÖPNV-Kontrolleure u. a. gesucht. Bisher
als Niedrigentlohner bekannte Unternehmen zahlen bereits
20 - 25% über dem allerdings sehr niedrigen Tarif,
Bildungsträger erhalten regen Zuspruch aus den Unternehmen.
Ihre Absolventen sind mit der Eröffnung formal bereits
vergeben, so sie die Prüfung bestehen. Das hört
sich gut an, leider wie so oft mit Wermutstropfen
versehen: Tarifliche Entwicklungen bewegen sich
derzeit immer noch im Niedriglohnbereich, Zuwächse
überschreiten kaum die Euromarke und bleiben damit
weiterhin weit hinter den Reinigungshilfkräften zurück,
Fortbildungen sind nach wie vor nicht voll besetzt und
es sollen auch wieder Bildungsträger Filialen schließen
müssen.
Der wirtschaftliche Aufschwung ist sicher
unstrittig aber erreicht er auch das Sicherheitsgewerbe?
Sind die Unternehmen in der Lage, von der Entwicklung
zu partizipieren, neue Verträge abzuschließen
und dabei Qualität und Vergütung
in einem betriebswirtschaflich gesünderem Verhältnis
anzuheben? Und kommt von dieser möglichen Entwicklung
auch beim Wachmann etwas an? Es darf gezweifelt
und muss differenziert werden. Einigen Mittelständern
im Sicherheitsgewerbe geht es vielfach besser, ihre Auftragslage
ist solide und die Vergütung akzeptabel. Es scheint
aber auch, als ob Teile des deutsche Sicherheitsgewerbes
die aktuellen Marktchancen nicht erkennen oder ignorieren
und nur die kurzzeitigen Vorteile als Mitnahmemöglichkeit
sehen. Dies bedingt das weitere auseinander triften in
Billigstanbieter und den soliden Mittelstand mit übertariflicher
Entlohnung. Der Markt fördert diese Entwicklung.
Die meisten Unternehmen kalkulieren bereits automatisch
die Basisqualifikationen als staatlich gefördert
ein, ihre Investitionen auf diesem Gebiet sind
zurückhaltend. Die Agenturen für Arbeit/Jobcenter
wiederum verweisen auf ausreichnd ausgebildetes Sicherheitspersonal
mit IHK-Sachkundeprüfung in ihrem Computern. Nur
wurden diese vor allem im Zusammenhang mit der Fussballweltmeisterschaft
geschult, sind ortsfest oder lehnen die zu geringe Vergütung
ab. Noch immer entlassen Unternehmen auch vor Ablauf der
Probezeit und verlassen sich auf einen nach ihrer Meinung
nicht versiegenden Ersatz aus dem Kreis der geförderten
Arbeitsuchenden – das kann und wird sich in Kürze
als bitterer Irrtum herausstellen.
Defizite werden auch beim mittleren Management
immer sichtbarer. Die Einstellungen Anfang der 90er Jahre
mit entsprechenden Voraussetzungen marschieren in Richtung
verdiente Rente, dem Nachwuchs fehlt aber zu oft für
das bisherige Prinzip des „Hocharbeitens“
die bildungsseitige Basis. Gerade im Sicherheitsgewerbe
existieren auf diesem Gebiet noch viele Illusionen. Nur
so ist es zu erklären, dass zum Beispiel das für
die Unternehmen völlig kostenneutrale Förderprogramm
WeGebAU 2007 nur sehr zögerlich
und von größeren Unternehmen angenommen wird.
Diese Programm sind aber in der Regel zeitlich begrenzt.
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