ISG-Bildungszentrum
Fortsetzung - Gesamtbeitrag
   
Aktuell
Geld- und Werttransport in Struktur- und Imagekrise
....  
.. 09/2006
   
.
(4) Status im September 2006: Geld- und Werttransport kommt nicht zur Ruhe – neue kriminelle Delikte und Insolvenzen sowie Absichtserklärungen (18.09.2006)
Nach der HEROS-Insolvenz mit einem geschätzten Schaden von über 350 Mio. Euro ist mit der alteingesessenen ARNOLDS Sicherheit GmbH aus Essen ein weiteres Unternehmen mit Geld- und Werttransport nach wirtschaftskriminellen Delikten in der Führungsebene in Insolvenz gegangen. Gegen das (bisherige) Mitgliedsunternehmen des BDGW Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e.V. und Mitglied des Verbundunternehmens Cash Logistik Security 2000 AG laufen seit August 2006 umfangreiche Ermittlungen. Es sollte zuerst ein Millionenbetrag in Höhe von 16,5 Mio. Euro fehlen, der nunmehr wohl bereits auf über 40 Mio. € angewachsen zu sein scheint. Das läßt Zweifel an der Aussage aufkommen, dass diese Gelder nur intern zum Auffüllen von Fehlbeträgen genutzt wurden, wobei in der Reihenfolge zuerst immer die Lücken verusacht werden.

Bei diesen Summen fallen die veruntreuten ca. 2 Mio. Euro in einer GuW-Firma aus Nordhorn und die unterschlagenen über 7 Mio. Euro einer GuW-Firma aus Fürstenfeldbruck (Bayern), auch Ergebnisse krimineller Machenschaften, gar nicht mehr so auf. Bedenklich wäre eine Gewöhnung an derartige Aufdeckungen oder die Reaktion erst ab bestimmten Größenordnungen. ARNOLDS ist damit wohl am Ende eines langen Weges angekommen? Parallelen zu HEROS drängen sich auf.

Der deutsche Geld- und Werttransport befindet sich nunmehr nicht nur in einer Strukturkrise, sondern ist auch in eine Imagekrise gewandert mit primär internen Ursachen und sekundär äußeren Begünstigungen. Natürlich ist nicht zu übersehen, dass der knallharte Wettbewerb über den Preis und die Empfänglichkeit mancher Einkaufsbeauftragter bei Kunden begünstigend, aber nicht entschuldigend, wirkten. Ob die bereits von Handelsunternehmen angedachte Gründung eines eigenen GuW-Transportunternehmens für den Handel die Lösung ist, darf angezweifelt werden. Auch ein solches Unternehmen muss zuerst einmal wirtschaftlich arbeiten und viel logistisches Insiderwissen sich erst einmal aneignen. Mit angemessener Vergütung können das viele existierende mittelständige GuW-Unternehmen auch, so man sie läßt.

Ebenso bedenklich sind wachsende Hinweise einer weiteren Zentralisation unter den wenigen noch Großen, Verträge sind wohl schon geschrieben – das führt zu abgestimmten Preisen und beeinträchtigt den Wettbewerb. Die ersten Betroffenen einer neuen Preisstruktur wären wohl dann im Handel zu suchen. Immerhin, es gab schon eine Anfrage, wie denn reale Preise im Geldtransport aussehen. Der Geld- und Werttransport ist Bestandteil des Sicherheitsgewerbes und insoweit werden die Imageauswirkungen weiter reichen, als bisher sichtbar. Wirtschatskriminelle Delikte treten - leider  - in allen Gewerben auf. Das Sicherheitsgewerbe allerdings sollte eigentlich derartige Delikte bei Anderen verhindern und aufdecken. Die Aussagen zur Wirtschaftkriminalität in der WIK 04/2006, nach denen die Aufdeckung und Bekämfpung dann besonders erschwert ist, wenn Führungspersonal involviert ist, trifft auch auf das Sicherheitsgewerbe zu und wird nachhaltig bewiesen.

.