|
(5)
Neuer Rewe-Chef Alain Caparros denkt über eigene GuW-Firma
nach (11.09.2006)
In einem Interview des Handelsblattes mit dem neuen
Rewe-Chef Alain Caparros werden auch die Folgen und Konsequenzen
des HEROS-Skandals und der ARNOLDS-Pleite angesprochen.
Capparos bestätigt 161 Mio. Euro Verlust bei HEROS
und beziffert den Verlust gegenüber ARNOLDS auf einige
Hunderttausend Euro. Auch REWE hofft wie andere, teilweise
bereits von Gerichten abgewiesene Unternehmen, noch auf
die Versicherung.
Wie bekannt, wurden Schäden aus wirtschaftskriminellen
Delikten während des Euro-Umtauschs nach fast 5 Jahren
abgeschrieben, Entscheidungen können sich hier hinziehen.
Interessanter weil in den Auswirkungen aktueller ist wohl
die Aussage, nach der REWE wohl gemeinsam mit Anderen über
einen handelsspezifischen Geld- und Werttransport nachdenkt.
Zitat: "... Einige
dieser Transportfirmen (gemeint
die GuW-Firmen) sind nicht seriös. Nun stellen
wir uns die Frage, ob sich die Einzelhändler nicht
zusammenschließen sollten, um einen eigenen Pool zu
gründen. Eine Bank oder ein Fonds könnte dann
selbst das Geschäft in die Hand nehmen."
(Handelsblatt, 11.09.2006) Das bestätigt
entsprechende Hinweise auf dieser Seite bereits unmittelbar
nach dem HEROS-Skandal, eine intern bereits erwartete und
möglicherweise bereits vorbereitete Variante.
Fraglich ist, ob es auch eine gute Lösung ist?
Das hängt sicher zuerst von den personellen und aufbauorganisatorischen
Entscheidungen ab. Freie
Manager im GuW gibt es genug, aber wer hat sich auch als
fähig erwiesen? Vielleicht sollten die Handelsunternehmen
auf den bewährten Mittelstand zugreifen und diesen
den Aufstieg ermöglichen. Es gibt auch seriöse
Unternehmen, man muss sie nur kompetent suchen, auch aus
diesen läßt sich ein Pool bilden. Vorerst ist
zur Kenntnis zu nehmen, dass der Handel oder einige seiner
Vertreter wohl mit dem Vorhandenen leben muss, aber nicht
so richtig will und auch den Alternativen am Markt nicht
so recht traut. Dies ist nachvollziehbar, aber bitte nicht
vergessen: Bei den meisten Delikten waren auch Vertreter
der Auftraggeber beteiligt und zumindest begünstigend
mit ihren unrealistischen Preisforderungen, die Niedrigstpreise
wurden vom Kunden erzwungen - auch ein eigener Pool
muss wirtschaftlich transportieren und zählen.
Aber es ist eine Lösung, die ISG im Baltikum mehrfach
vorgefunden und auch betreut hatte, sie kann funktionieren.
Bereits am 28.02.2006 hatte ISG auf diesen Ausweg hingewiesen
(Heros-Archiv (10)).
Wenig Unterstützung bei der Kontrolle des Geld- und
Werttransportes ist wohl gegenwärtig von der Finanzaufsicht
Bafin zu erwarten. Zum einen sieht diese sich nicht
in der Verantwortung und zum anderen beschäftigen sie
selbst interne wirtschaftskriminelle Vorgänge. Offen
bleibt, wer sich nun um die staatliche Aufsicht
im Geld- und Werttransport mit Geldbearbeitung
kümmert. Wenn eine Behörde das ablehnt oder dazu
wegen interner Probleme keine Zeit mehr hat, müßte
da nicht irgendwann die übergeordnete Instanz, die
Politik, reagieren? Oder bedarf es wie so oft beim Deutschen
erst eines weiteren nachhaltigen Vorfalls, bei dem das Bargeld
dann wirklich dem Bürger ausgeht? Immerhin, die Bafin
hat wohl nun Gelegenheit, Erfahrung beim Geldsuchen auch
gegen den eigenen Willen zu sammeln.
.
|