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Bewaffneter Raubüberfall auf die European Poker Tour im Hotel Grand Hyatt in Berlin - Täter mit über 240.000 € entkommen - Sicherheitsdefizite bei Hotel und Veranstalter: Welche Sicherheitsaufgaben haben Veranstalter und Hotel bei mehreren hundert Gästen und über einer Million Euro Bargeld im Kassenbereich präventiv zu lösen und erfolgte dies in Berlin ausreichend? Richtig oder falsch: "Wenn Räuber etwas planen, dann kommen sie auch zum Ziel! (Zitat Hoteldirektor Grand Hyatt in Berliner Zeitung vom 08.03.2010)
Montag, 08. März 2010
Während des größten europäischen Pokertourniers mit Lifeübertragungen am Samstag, 06.03.2010, haben mindestens vier anfangs vermummte Männer einen sechsstelligen Betrag geraubt, Ziel war über 1 Million. Weitere Mittäter oder Informanten sind möglich, aber noch nicht bekannt. Obwohl bei Abwehrversuchen des Angriffs durch einen Türsteher Körperkontakt bestand, gelang es nicht, auch nur eine Kopfmaske abzustreifen, später nahmen dies die Täter selbst vor. Das spricht nicht für eine professionelle Tatvorbereitung und Tatausführung, wie auch einige andere Abläufe eher auf recht einfach strukturierte Täter schließen lassen. Letztlich waren sie aber im Angriff auf das Geld erfogreich und die Rückeroberung eines Teils der Beute durch Sicherheitspersonal mehr Zufall. Daraus zu schlußfolgern, dass damit "das Sicherheitskonzept erfolgreich war" (Zitat Hoteldirektor Grand Hyatt, siehe oben) läßt an der Kompetenz der Verantwortlichen zweifeln. Dann müßte in der Sicherungskonzeption stehen (Gibt es die schriflich und abgestimmt überhaupt?): "Nach einem erfolgreichen Angriff von Räubern ist das Geld auf der Flucht wieder abzunehmen." Das ist natürlich Unsinn, im Mittelpunkt steht die präventive Verhinderung derartiger Angriffe bereits im Vorfeld und das hat nicht funktioniert. Richtig ist, das man mit derartigen Angriffen rechnen muss, das verpflichtet allerdings auch zu entsprechender Prävention sowohl technich als auch personell. Realistische potentielle Gefahren sind aber auch Taschendiebe, Gewaltakte durch entnervte Verlierer, Bombendrohungen, Geiselnahmen und triviale Diebstähle und somit Bestandteil einer Sicherungskonzeption.

Alle Veröffentlichungen sprechen nur von dem Personal eines lokalen Türsteherunternehmens, nicht jedoch von Sicherheitspersonal, welches direkt das Geld zu schützen hatte oder gab es das gar nicht? Normalerweise sind derartige Summen entweder ausreichend sicher verwahrt oder bewaffnet geschützt. Dafür gibt es professionelle Geld- und Werttransportunternehmen und Sicherheitsfirmen mit bewaffneten Objektschutz, die wiederum nur abgestimmt mit der Polizei zum Einsatz gelangen sollten. Für Veranstaltungen gelten besondere waffenrechtliche Regeln. Darüber hinaus gibt es in Berlin sehr restriktive Regelungen für die Durchführung von Pokerveranstaltungen, die normale Pokertourniere mit Gewinnauszahlungen außerhalb zugelassener Spielorte mit genehmigten Sicherheitslösungen eigentlich ausschließen. Wie wurde diese Ausnahmerelgelungen erreicht oder die restriktive Rechtsvorschrift erfüllt? Das eine Bargeldsumme von weit über 1 Mio. Euro Begehrlichkeiten weckt und deshalb auf der Grundlage eines Sicherheitskonzeptes besonders zu schützen ist, muss sicher nicht begründet werden. Ebensowenig, dass dafür Türsteher, auch wenn sie mutig sind, allein nicht ausreichen. Auf die Hilfe- und Unterstützungsrufe eines verteidigenden mutigen Türstehers haben weder seine Kollegen noch Andere helfend reagiert, die Defizite wurden allein in dieser Situation sichtbar.
Bereits Summen über 50.000 Euro werden in Deutschland in der Regel bewaffnet transportiert. Offensichtlich wurden die Veranstalter vom eingesetzten Sicherheitspersonal auf die erheblichen Defizite, wie fehlende geschützte Lagerung und besondere Ansprüche an das Sicherheitspersonal, nicht hingewiesen. Offen ist auch, ob die Polizei von der besonderen Gefährdungssituation überhaupt vorab informiert war, der Hoteldirektor war es nach eigenen Aussagen nicht.

Noch sind viele Fragen offen und offensichtlich hat auch die Polizei Probleme, diese bereits zu beantworten und die Tätersuche ist wohl auch nicht so einfach. Zuerst wäre zu beantworten, ob es für dieses Tournier ein schriftliches Sicherheitskonzept gab, welches die Standardvariante eines Überfalls - bei über einer Million Euro die erste Gefährdungsart - und entsprechende Handlungsabläufe abgestimmt mit der Polizei enthielt? Wie erfolgte der Schutz der Kassierer konkret und warum gelangten die Gelder so schnell in Transporttaschen? Wie haben Hotel als Vermieter und Veranstalter die Sicherungsaufgaben abgestimmt und welche Regelungen bestanden für den realen Fall einer Massenpanik. Immerhin fühlten sich Teilnehmer nach dem Überfall allein gelassen.

Bei aller Gefährlichkeit und Dramatik, es war wahrscheinlich Bandenkriminalität, für eine Tat der Organisierten Kriminalität fehlen noch ausreichende Hinweise. Die relativ frei zugängliche zeitweilige Lagerung großer Bargeldbestände kann man eigentlich bei einem derartigen Tournier nicht vorhersehen, dazu gehört schon sehr viel Naivität. Entweder gab es entsprechende Informationen oder dieses Defizit fiel am ersten Tag auf und der Angriff erfolgte kurzfristig geplant.

Tote und Schwerverletzte wären nicht unrealistisch bei diesem Tatablauf, also Glück gehabt? Solche Taten, immerhin mit Teilerfolg, bedingen oft Dominoeffekte. Bisher hat es einfach keiner gewagt, jetzt sind die Defizite und das es machbar ist, sichtbar geworden. Die Verantwortung der Veranstalter und des Hotels gegenüber den Teilnehmern als erste potentielle Opfer gebietet ausreichende Prävention. Das beginnt mit einem Sicherheitskonzept, um derartige Taten abzuwehren, beinhaltet die sicherungstechnischen und geeigneten personellen Mittel schließt aber auch die Schadenbegrenzung ein. Dazu gehört sicher die Einlasskontrolle, der Türsteher, aber noch weit mehr. Das ist wohl deutlich geworden, nun müssen es die Verantwortlichen nur noch realisieren. Dem oben aufgeführten Zitat des Hoteldirektors ist somit zu widersprechen. Sicher kann man Raubüberfälle nicht grundsätzlich ausschließen, aber die Räuber müssen nicht zwingend zum Ziel kommen. Genau das ist die Aufgabe der Prävention durch Sicherungsmaßnahmen gegen kriminelle Begehrlichkeiten von Innen durch Angestellte, durch Kunden und von Außen, sonst kann man auf die ganz verzichten. Wie sicher sind dieses Hotel und derartige Veranstaltungen mit vielen Beteiligten, die darauf vertrauen?

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