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| Luft- und Flughafenunsicherheit und die hektische Suche nach Lösungen: Sicherheitsleck am Flughafen München am 19.12.2009 Ausnahme oder alltägliche Unsicherheit? |
Montag, 28. Dezember 2009 Ein in letzter Minute vereitelter Terroranschlag zu Weihnachten 2009 über den USA deckte wohl eine Vielzahl länderübergreifender Mängel und Defizite trotz umfangreicher präventiver und geheimdienstlicher Sicherheitsmaßnahmen zur rechtzeitigen Vereitelung derartiger Angriffe auf. Ohne dass die tatsächlichen Bedingungen des Terroranschlags bereits ausreichend ermittelt sind, überbieten sich Viele mit neuen und alten Vorschlägen, in Deutschland konzentriert auf Personal- und Technikforderungen im hoheitlichen Bereich. Dabei wird übersehen, dass Luftsicherheit durch mehr als nur Polizei und Kontrolltechnik hergestellt werden muss. Sicher gibt es auch Defizite in diesen Bereichen, sie sollten jedoch zuerst sorgfältig analysiert werden, wonach es derzeit nicht aussieht.
Am 19.12.2009 kam es auf dem Flughafen Münschen zu einem Sicherheitsproblem, in dem ein Teil der Passagiere einer aus Thailand kommenden Maschine ohne Einreisekontrolle der Polizei in den Inlandsterminal A gelangten. Nach Verlassen des Flugzeuges erfolgte zuerst eine falsche Einweisung durch verdrehte Leittechnik. Dann wurden die aussteigenden Passagiere offensichtlich getrennt. Ein Teil absolvierte die Einreise in die EU und mußte danach zur Weiterreise im Inland den kompletten Sicherheitscheck ohne Passkontrolle erneut durchlaufen. Zu dieser international unüblichen Vorgehendsweise sagte ein Flughafenangestellter lapidar: "Wir sind halt ein Provinzflughafen". Früher war auch in Münschen ein direkter kontrollierter Übergang zwischen Transitgate und Inlandsgate möglich. Entweder fehlt Kontrollpersonal oder eine effizientere Organisation der vorhandenen Kräfte.
Es war wohl Folge menschlichen Versagens und das wäre die günstigste Variante aus mehreren möglichen Ursachen, dass ein Teil der Passagiere einen unkontrollierten Übergang in den Inlandsgate fanden. Die danach erfolgende Vermischung feststellend, räumte die Polizei Inlandsgate A und alle Passagiere mußten sich einer erneuten Kontrolle mit ihrem Handgepäck unterziehen, nicht jedoch der üblichen Passkontrolle als Einreisende in die EU mit der entsprechenden Kontrolltechnik. Gate A geht übrigens durch die Toiletten über mehrere Etagen mit Treppen und Fahrstühlen, schwer in wenigen Minuten vor dem nächsten Start lückenlos zu räumen. Ausnahme oder alltägliches Problem? Das wirkliche Sicherheitsproblem mit Gefährdungscharakter bestand jedoch in der Art der Räumung, der Verweisung aller Personen aus dem Gate A unkontrolliert über offene Türen. Damit gelangten auch die "vermichten" Passagiere aus Thailand ohne Passkontrolle in die Bundesrepublik und damit die EU, egal auf welcher Liste sie möglicherweise standen. Einmalig oder die Regel, in jedem Fall mehr als eine simple Lücke und damit beginnt die Luftunsicherheit sehr real zu werden. Derartiges verhindern weder mehr Polizisten noch neue Technik, hier geht es "nur" um die Sicherheitsablauforganisation im hoheitlichen Bereich.
Es geht somit nicht nur um neue, kompliziertere Technik und damit Einzellösungen, notwendig sind ganzheitliche Sicherungskonzepte, angepaßt der aktuellen Lage und im Mittelpunkt steht immer noch die integrierende Sicherheitsorganisation aller Kräfte und Mittel und da liegen die echten Defizite. Diese können weder durch neue Scanner noch mehr Polizei allein beseitigt werden. Einen Großteil der Sicherheitskontrollen realisieren heute bereits private Sicherheitskräfte, deren Rolle zum Beispiel im Programm Innere Sicherheit wohl nur partiell genannt, aber nicht wirksam genug integriert ist. Es sind private Sicherheitskräfte, die die erste Kontrolle Einreisender vornehmen, nämlich des Gepäcks. Sie kontrollieren auch Übergänge im Flughafen, sichern Flugzeuge und den Flughafen als Objekt mit den Lagern. Sie kontrollieren aber auch das Gepäck auf den Weg in die Flugzeuge, Sprengstoff muss nicht unbedingt am Körper getragen werden. Auch die Terrormittel entwickeln sich. Lückenlose Sicherheit mit beherrschbaren Restrisiken geht nur mit integrierten Lösungen unter Einbeziehung aller Beteiligten. Hier liegen die vordringlichsten Aufgaben.
Es wird sich wohl auch bestätigen, dass ähnliche Probleme der mangelhaften Kommunikation, unzureichenden Kooperation und sachkundigen Bewertung von Informationen begünstigend für den Terroranschlag im US-Passagierflugzeug mit waren. Die aktuelle Sicherheitsorganisation in Deutschland, insbesondere die Vorbehalte zwischen hoheitlichen und privaten Sicherheitskräften bis hin zu defizitären Qualifizierungen aller Beteiligter bedarf einer kritischen Bewertung und danach kann auch über Personal und Technik entschieden werden.
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